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Tierattacken: Was tun bei einem Hundebiss?

2011-06-21 00:00 (Kommentare: 0)

Es ist der Albtraum jedes Hundebesitzers. Eben hat das Kleinkind noch friedlich mit dem Hund gespielt, dann schnappt das Tier zu – und der Nachwuchs hält sich weinend die Wange. „Tierbisse ereignen sich meist in der eigenen Familie – viel seltener werden Fremde attackiert“, berichtet Astrid Behr, Tierärztin und Sprecherin des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte.

Die Folgen für Kinder sind oft schwerwiegend: Während ein Hund Erwachsene meist in die Hand oder den Fuß beißt, erwischt er die Kleinen häufig im Gesicht oder am Hals.

Experten raten, die Bisse der Vierbeiner ernst zu nehmen. „Selbst bei oberflächlichen Kratzern sollte man unbedingt zum Arzt gehen“, sagt Dr. Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Berlin. Denn der Speichel von Hund und Katze ist ein Lebensraum für unzählige Bakterien, die im Körper gefährliche Entzündungen hervorrufen können. Das ist auch dann möglich, wenn die Erreger nur in obere Hautschichten eindringen.

Lässt man eine Bisswunde unbehandelt, drohen eitrige Entzündungen und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung (Sepsis). Die Erreger sind meist Bakterien der Gattung Streptokokken, die sogenannte Phlegmonen auslösen können: eiternde Entzündungen des Bindegewebes, die sich ausbreiten und in die Blutbahn gelangen können. „Die daraus entstehende Sepsis, die sich meist mit Fieber ankündigt, sollte man in jedem Fall verhindern“, warnt Ulrich Fegeler

Als Erstversorgung wird eine Bisswunde daher zunächst gründlich desinfiziert. Das kann jeder selbst mit einem Desinfektionsmittel aus der Apotheke machen, das in jede Hausapotheke gehört. „Anschließend die Wunde mit einem sterilen Tuch abdecken“, ergänzt die Tierärztin Astrid Behr. Innerhalb von sechs Stunden nach dem Biss sollte ein Arzt die Wunde untersuchen. Wer länger wartet, riskiert, dass sich die Keime zu stark vermehren.

Bakterielle Infektionen sind nicht die einzige Gefahr, die von Tierbissen ausgeht. „Hunde mit großem Gebiss zerschneiden mit ihren Zähnen oft nicht nur die Haut, sondern können auch massive Quetschungen verursachen“, berichtet Fegeler. Tückisch sei, dass man deren Ausmaß oft erst beim Röntgen bemerke.

Auch Katzenbisse sind nicht harmlos. „Da ist die Wunde zwar oft nur ein Punkt, der sich von selbst schließt. Aber der Stichkanal geht tief – und unten können sich die Bakterien in aller Ruhe ausbreiten“, erklärt Fegeler. Weil im Katzenmaul weit mehr Bakterien leben als im Speichel von Hunden, eitern Bisse von Stubentigern zudem schneller.

Oberflächliche Verletzungen lässt der Arzt nach einer gründlichen Wundreinigung meist heilen, ohne sie zu nähen. Der einzige Verband ist dann eine sterile Auflage, die das Wundsekret aufnimmt. Tiefere Wunden werden genäht und mit einer Dränage versehen, einem Schlauch, durch den das Sekret abfließt. Bei einer klaffenden Verletzung, bei der ganze Hautpartien zerfetzt wurden, kann ein chirurgischer Eingriff nötig werden.

Impfungen auffrischen

In jedem Fall überprüft der Arzt, ob der Patient gegen Tetanus geimpft ist, denn auch die Erreger des Wundstarrkrampfs können mit dem Tierspeichel in den Körper gelangen. Sie produzieren ein Gift, das zu Muskelkrämpfen führt – und bei zehn bis 20 Prozent der Infizierten sogar zum Tod. Die Impfung gegen Tetanus wird üblicherweise alle zehn Jahre aufgefrischt. Ist nach einem Biss unklar, wann sie zuletzt erfolgte, rät die Ständige Impfkommission zu einer sofortigen Impfung nach der Verletzung.

Eine andere Gefahr ist laut Tierarzt-Sprecherin Behr in Deutschland fast gebannt: die Tollwut, die beim Menschen eine tödliche Gehirnentzündung auslöst. „Was Füchse und Hunde betrifft, ist Deutschland seit 2010 tollwutfrei – zumindest nach den Kriterien der Welttiergesundheitsorganisation (OIE).“ Weil allerdings auch Fledermäuse die Tollwut übertragen können, schließt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diesem Urteil nicht an.

Kinderarzt Fegeler rät, unbedingt zu klären, ob das Tier, das zubiss, Tollwut hatte: „Bei Verdacht sollte man sich direkt nach dem Biss gegen Tollwut impfen lassen.“ Bei Reisen in tollwutgefährdete Gebiete sollten Urlauber über eine Impfung nachdenken.

Hundebisse in Deutschland:

  • Offiziell sind laut dem Statistischen Bundesamt in den vergangenen Jahren nur wenige Menschen unmittelbar durch Beißattacken ums Leben gekommen. Medienberichten zufolge starben jedoch im Jahr 2010 mehrere Personen durch Hundeangriffe.
  • Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft verursachen Hunde pro Jahr rund 100.000 Schadensfälle. Die Zahl ging von 111.646 Schadensfällen im Jahr 2002 auf 95.766 im Jahr 2008 zurück.
  • Dass bei Weitem nicht alle dieser Schadensfälle auf Beißattacken zurückzuführen sind, belegen die Zahlen der Bundesländer. So waren 2009 im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen 681.540 Hunde registriert, gebissen wurden 660 Menschen. Im Jahr zuvor war es zu 838 solcher Verletzungen gekommen, obwohl die Zahl der Hunde niedriger lag.

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